Wergera kurdî li jêr e
Vor gerade einmal 12 Jahren brach der IS (Islamische Staat) in Şengal ein und verübte einen Genozid an der dort lebenden êzîdischen Bevölkerung. Als religiöse Minderheit waren sie in ihrer Geschichte stets von Verfolgungen und Genoziden betroffen. Der 03. August 2014 markierte den 74. Genozid und wird „Ferman“ (auf dt: Befehl) genannt. Während des Fermans wurden 10.000 Menschen ermordet und 40.000 Menschen vertrieben. Insbesondere Frauen und Mädchen wurden zur Zielscheibe dieses Massenmordes. So wurden sie auf Sklavenmärkten an IS Mitglieder verkauft, lebten in Gefangenschaft und wurden körperlich und sexuell missbraucht. Viele êzîdische Frauen konnten durch den Eingriff kurdischer bewaffneter Einheiten aus der Gefangenschaft befreit werden und der IS wurde zurückgeschlagen. Bis heute gilt Şengal als befreit. Doch durch aktuelle Eskalationen in dieser Region ist auch die Sicherheit Şengals und die der dort lebenden Frauen und Mädchen stärker bedroht.
Referent*innen:
- Rojda Arslan, ist Juristin mit Schwerpunkt im Völkerrecht und arbeitet insbesondere zu geschlechtsspezifischer Gewalt gegen Frauen in Konflikt- und Krisengebieten. Ihre Arbeit bewegt sich an der Schnittstelle von Völkerrecht, Menschenrechten und Rassismusprävention. Rojda ist seit 2018 Mitglied des Vereins für Demokratie und internationales Recht (MAF-DAD e.V.) und war Teil der ersten Fact-Finding-Mission nach Rojava im Jahr 2020. Darüber hinaus ist sie Reporterin für das deutsche Team des International Law in Domestic Courts (ILDC) der Oxford University Press. Rojda ist Fachbereichsleiterin des Centrums für intersektionale Diversität (CiD) von Yekmal e.V., wo sie unter anderem die Arbeit in den Bereichen Antidiskriminierung, Rassismusprävention und Schutz vor Gewalt verantwortet.
- Dr. Leyla Ferman wurde als Tochter êzîdisch-kurdischer Eltern in Deutschland geboren. Sie studierte Politikwissenschaft und promovierte 2014 sie zum Thema „Dezentralisierung und ethnische Konflikte. Die Kurdenfrage und die lokale Ebene in der Türkei“. Seit Beginn des Völkermordes an den Êzîd*innen im August 2014 engagiert sich Leyla Ferman in verschiedenen Projekten, die sich auf weibliche Überlebende, die Dokumentation und den Wiederaufbau von Şengal konzentrieren. Sie ist Vorstandsmitglied von "Women for Justice“. Leyla arbeitete unter anderem als Beraterin für internationale Beziehungen, als Koordinatorin für die Gedenkstätte Bergen-Belsen sowie für ein Projekt namens „FERMAN“ der Stiftung Gedenkstätten Niedersachsen. Heute arbeitet sie unter anderem als Forschungsberaterin für das Survivor-Centred Visual Narratives Project und ist Co-Leiterin von GAPS „Genocide — Accountability — Participation — Solutions“.
- Çiçek Yildiz ist eine êzidische Frau, die im Alter von acht Jahren gemeinsam mit ihrer Familie in den 1990er Jahren aus Nordkurdistan (Ostanatolien) fliehen musste – infolge der gewaltvollen Repressionen, Zwangsvertreibungen und der Zerstörung kurdischer Dörfer im Zuge des Konflikts. Diese eigene Flucht- und Vertreibungserfahrung prägt bis heute ihre persönliche wie politische Perspektive auf Verfolgung, Gewalt und Exil. Beruflich ist sie seit 2007 als Erzieherin in der stationären Jugendhilfe tätig und hat sich durch Zusatzqualifikationen in Traumapädagogik, systemischer Beratung sowie Deeskalation und Krisenintervention weiterqualifiziert. Seit Jahren ist Çiçek Yildiz fest im êzidischen Vereinsleben verankert: Sie engagiert sich im Zentralverband der Ezidischen Vereine e.V. und ist Mitglied im neu gegründeten, international vernetzten Kongress der Êziden in der Diaspora (KED). 2017 zählte sie zu den Gründungsmitgliederinnen des Dachverbands der Ezidischen Frauenräte e.V. (kurd. SMJÊ). Ein zentraler Schwerpunkt der SMJÊ liegt seit Jahren auf Şengal selbst: Der Dachverband setzt sich dort gezielt für die Rechte und Belange überlebender Frauen ein und kooperiert eng mit den dortigen Selbstverwaltungsstrukturen sowie der Frauenorganisation Tajê. Im Rahmen mehrerer Delegationsreisen hat Çiçek die Region Şengal zudem persönlich wiederholt besucht und dort über die Jahre engste Kontakte aufgebaut.
Das Panel findet auf Deutsch statt, wird aber in kurdischer Sprache übersetzt.
Die Podiumsdiskussion ist Teil der zweitägigen Veranstaltungsreihe „Blick nach Şengal“.
Am 2.10.26 wird der Film „Letters from Şengal“ im Lichtmess Kino gezeigt. Der Film ist auf Kurdisch mit deutschen Untertiteln. Anschließend an den Film werden Fragen beantwortet und Eindrücke aufgefangen.
